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Christliche Wurzeln sind Zukunft Europas

Prof. Rethmann, Moderator des Vormittags, bei seiner Einführung.

In einer Podiumsdiskussion am dritten Tag des 31. Bundestreffen näherte sich die Ackermann-Gemeinde der Frage an, wie sich die deutsch-tschechische Nachbarschaft mit christlicher Verantwortung gestalten ließe. Dabei wurde vor allem die Rolle der Politik beleuchtet. Die beiden einleitenden Referate hielten die Politiker Pavel Svoboda (Tschechischer Minister a.D.) und MdL Eberhard Sinner (Bayerischer Staatsminister a.D.).

In der von Prof. Dr. Albert-Peter Rethmann geleiteten Podiumsdiskussion, bei der sich auch die Teilnehmer zu Wort melden konnten, vertieften Prof. Dr. Barbara Krause (Aachen), Prof. Dr. Jan Sokol (Prag) und der frühere Bundesvorsitzende der Ackermann-Gemeinde Herbert Werner das Thema.

Eberhard Sinner rief in Erinnerung, dass das heutige Europa, „das erfolgreichste politische Projekt, das man weltweit besichtigen kann“, vor allem aufgrund der Regionen, des Subsidiaritätsprinzips und der „drei Hügeln Golgotha (christlich-jüdische Tradtion), Akropolis (griechische Demokratie) und Capitol Roms (römisches Recht)“ so erfolgreich dasteht. „An diese Wurzeln müssen wir uns erinnern – und daran, dass nicht nur der Euro im Mittelpunkt steht, sondern Europa eine Wertegemeinschaft ist.“ Sinner plädierte dafür, den Lissabon-Vertrag zu ratifizieren, um Europa zukunftsfähig zu machen. Eindringlich warnte er davor, zu schnell weitere Staaten in die Europäische Union aufzunehmen. Als vordringliche Aufgaben sieht er unter dem Gesichtspunkt christlicher Verantwortung Nachhaltigkeit, Bewahrung der Schöpfung, sowie das Bemühen um Frieden sowie die Lösung der Klima- und Energiefrage. Als nächsten Schritt für eine gelungene deutsch-tschechische Nachbarschaft wünscht sich der unterfränkische Politiker, dass die im Lissabon-Vertrag enthaltene gemeinsame Charta der Grundrechte in Europa als Kompass für die Zukunft gilt.

Die Europäische Union wird sich auch mit dem Beitritt weiterer Staaten beschäftigen müssen. Zur Türkei vertrat Jan Sokol die Meinung, dass dies eine politische und nicht eine christlich-ethische Frage sei. „Europa muss Sorge tragen für die Zukunft unserer Gesellschaft, unserer Enkel, für die Zukunft des Lebens und der Schöpfung“, blickte Sokol in die Zukunft und plädierte für die Unterstützung des Sprachunterrichts in allen Staaten Europas. Die Tätigkeit von Politikern brachte Sokol in Zusammenhang mit dem Begriff „Moral“, wobei er Verständnis für die Politiker zeigte, den moralischen Schein zu wahren. „Als Christ ist man nicht nur durch Werte gezeichnet. Was ihn darüber hinaus ausmacht, ist das Gebot der Liebe und der Verantwortung ohne Grenzen. Und daraus folgt das Gebot des Vergebens“, betonte der Professor die Spezifika christlich orientierter Politik.

Das Eingestehen von Schuld und Vergeben beziehungsweise Verzeihen griff auch Herbert Werner auf. Er sagte, wenn Völker im Konflikt leben, ist es Aufgabe der Christen beider Seiten, das unermüdliche Gespräch zu suchen und zu führen. Materielle Interessen gehören nicht in den Vordergrund. „Auch die vertriebenen Christen müssen noch einmal unter den Stichworten Vergebung und Verzicht nachlesen und sich selbst die Frage stellen: Habe ich wirklich Ansprüche an Dritte?“ Diese Frage bezog Werner speziell auf die offizielle sudetendeutsche Haltung in Fragen der Versöhnung. Und so vermisst er auf tschechischer Seite die Bereitschaft zum christlichen Denken. Konkret fordert er von beiden Kammern des Tschechischen Parlaments ein Bedauern für die Verbrechen an den Deutschen. Beide Länder sollten sich auf Ziele und Projekte verständigen und dann handeln, und nicht nur darauf vertrauen, dass Gott es richten wird.

Text u. Fotos: Markus Bauer/Susanne Beckmann